Ändlisch moa widda Schi foan

7. Februar 2012, 2:24 pm

Nachdem ich nun heute die vorletzte Klausur des Semesters im Fach Umweltfernerkundung bewältigt habe, kann ich gleich endlich auf den vergangenen Freitag zu sprechen kommen, an dem Lisa, Tim, Kerim und ich uns auf den Schneehügel Erbeskopf begeben und mit den Kufen gewetzt haben.

Zunächst aber das Alltägliche. Mein Ergebnis für digitale Photogrammetrie hab ich bekommen und kann mit der 1,7 ganz gut leben. Heute ging’s dann, wie erwähnt, weiter. Umweltfernerkundung klingt nicht nur sehr ähnlich wie beispielsweise Grundlagen der Fernerkundung, nein, die Inhalte sind auch zum Großteil deckungsgleich. Wieder geht es um elektromagnetische Strahlung, die beispielsweise von der Sonne oder einem Laser abgegeben und von einem Sensor aufgenommen wird, nachdem sie am Boden reflektiert wurde. Dabei gibt es verständlicherweise diverse Prozesse, die eintreten können und Methoden, wie und was genau gemessen wird, bzw. was man mit den gemessen Daten so alles anstellen kann. Ein Schwerpunkt der Klausur war beispielsweise die Veränderungsdetektion. Dazu benötigt man Bilder über einen entsprechenden Zeitraum, welche die selbe Szene zeigen. Für diese Bilder kann man dann beispielsweise den Vegetationsindex NDVI berechnen und die Werte dann vergleichen (zum Beispiel mit Hilfe der sogenannten Hauptkomponentenanalyse). Als Ergebnis kann man dann nach Extraktion von so etwas wie zyklischen Komponenten (Erblühen der Vegetation im Sommer) einen Trend ermitteln, wie sich die Landschaft mit der zeigt verändert hat und so eventuelle Aussagen über die Zukunft machen. Die Klausur war nicht allzu schwierig, hatte aber trotzdem die ein oder andere knifflige Stelle, also mal abwarten. Grundsätzlich gibt’s von mir aber wie immer ein: Umweltfernerkundung – Check!

Nun zurück zum Freitag. Ja, die Kältewelle hat auch vor Rheinland-Pfalz nicht halt gemacht und seit einiger Zeit erfreue ich mich täglich an Temperaturen um die -10°C. Mal etwas wärmer, mal etwas kälter. Da direkt vor dieser Kältephase sogar ein wenig Schnee gefallen ist, war es den Betreibern der Erbeskopf-Abfahrt (bei Vollbetrieb sagenhafte drei Schlepplifte und zwei blaue Pisten) möglich mit Kunstschnee eine fahrbare Strecke zu präparieren. Für 16 Euro gab’s zwanzig Fahrten und für 7 Euro passende Schuhe, die ich auf meine Big Foots schnallen konnte. Nach knapp zwei Jahren ohne Skispaß war die ersten Meter der ersten Abfahrt noch einigermaßen wackelig, danach aber hatte ich mich gefangen und der Piste konnte ausgenutzt werden – nicht in ihrer kompletten Breite, da man sonst schnell zum Stillstand gekommen wäre – aber immerhin. :P

Die Sonne strahlte den ganzen Nachmittag über – wir waren von ca. halb eins bis halb fünf auf der Piste – und so konnte man den Auftakt in die Skisaison wahrlich genießen. Die Verhältnisse waren dafür, dass die Schneelage auf 20-25cm geschätzt war, relativ gut. Vereist war selbst bei der letzten Abfahrt kaum etwas und grün kam lediglich am Weg zum Lift durch. Achja, von denen war übrigens nur einer offen, also auch nur eine Piste, aber jeder fängt ja mal klein an. Sturzhighlights gab es von unserer Seite eigentlich kaum. Kerim hat einmal den Hügel nach dem Hügel unterschätzt und folglich aus nächster Nähe Bekanntschaft mit der weißen Masse gemacht, aber sonst hat nicht mal unsere Halbanfängerin Lisa es für nötig gehalten, sich hinzulegen. ;) Dafür gab es das mediale Highlight. Der Volksfreund hatte ein Team ausgesandt, um den Start der Skisaison (übrigens sogar mit Feuerwerk, was bei strahlendem Sonnenschein wahrhaftig Eindruck hinterlassen hat) zu dokumentieren. Das Foto, das einige zumindest bei Facebook – oder nach einiger Suche vielleicht auf noch beim Volksfreund selbst – bestaunen können, lasse ich nun einfach mal Aussen vor und verweise lediglich auf den Artikel, der mit Unwahrheiten nur so um sich schmeißt: http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/rheinlandpfalz/rheinlandpfalz/Heute-im-Trierischen-Volksfreund-Der-Winterspass-hat-begonnen-Hunderte-Skifahrer-und-Snowboarder-stuermen-die-Pisten;art806,3050819

Ja, von wegen VolksFREUND. Nicht nur, dass Semesterurlauber und noch nicht duale Studenten dort als Studenten bezeichnet werden, nein, da wird einem auch glatt unterstellt, man würde die Uni schwänzen. Eine bodenlose Frechheit! Wir unter dem Druck von Vorlesungen, Übungen, Klausuren, Bachelor und Master stehenden Studenten werden dort in ein Licht gerückt, das die Vorurteile gegenüber Studenten in Bezug auf Faulheit und Respektlosigkeit vor dem System in einer Art und Weise bestärkt, dass selbst die Mutter der im Artikel erwähnten Kinder sich wohl bald zweimal überlegen wird, ob sie möchte, dass ihre Kinder mit solch einem Pack auf der Skipiste in Berührung kommen könnten. Ich sehe schon eines von zwei Szenarien auf uns zukommen. Entweder gibt es bald Petitionen gegen Studenten auf der Skipiste oder aber das genaue Gegenteil. Skipisten nach Kategorien, nicht mehr nach Schwierigkeitsgrad sondern nach Rangzugehörigkeit. Ich habe natürlich direkt an eine Klage gedacht, doch um ehrlich zu sein, habe ich als hart schuftender Student für sowas ja gar keine Zeit – Glück gehabt Volksfreund.

Keine Punkte aber weiter Hoffnung

29. Januar 2012, 10:31 pm

Unsere zweite Mannschaft überzeugte Minuten vor unserem gestrigen Punktspiel mit einem souveränen und nahezu glorreichem, übermäßig dominanten 8-0 gegen nicht ganz in Bestbesetzung antretende Wasserliescher. Doch anstatt uns davon eine Scheibe abzuschneiden, will und will es bei uns einfach nichts werden mit den ersten Punkten in der Rückrunde. Am Wochenende war die Mannschaft vom BSC Güls – nein, Boris, nicht aus Mendig – zu Gast in unserer Halle und es gab einmal mehr nichts zu holen für uns. Dabei waren unsere Spiele gar nicht mal so schlecht, nur das Quäntchen Glück ist uns heuer nicht hold. Da wäre das zweite Herrendoppel, in dem Tim und Jojo stark begannen und im ersten Satz bereits mit 17:13 in Front lagen. Da wäre das erste Herrendoppel, in dem Boris und ich im ersten Satz vier Satzbälle haben. Da wäre das Damendoppel, in dem Nanu und Beate sich in einen dritten Satz kämpfen und das Spiel beim Stand von 18:19 ausgleichen.

Tja, und dann? Dann verlieren Tim und Jojo den Satz zu 18, wir vergeben die Satzbälle und verlieren den Satz zu 25 und den Mädels unterlaufen zwei – wie hieß es heute beim dramatischen Finale zwischen Nadal und Djokovic – unforced Errors. Zack, 0-3 hinten und wenig Hoffnung.

Und dabei wäre ein Punkt ohne Weiteres drin gewesen, was Beate in ihrem Zweisatz-Einzel, ich in dem meinem (analog in zwei Sätzen und mit durchaus ansehnlichem Spiel, wie mir berichtet wurde ;) ) und Boris und Nanu ebenfalls in zwei Sätzen im Mixed zeigten. Lediglich Jojo und Tim waren trotz großen Kampfgeistes doch vom Ergebnis her relativ chancenlos. 3-5. Nicht dass die Punkte eingeplant gewesen wären – ich habe mittlerweile eh aufgehört, irgendwas einzuplanen ;) – aber greifbar waren sie. Deshalb hieß es danach auch ärgern, ärgern, ärgern und noch irgendwelchen Blödsinn machen. “Leidtragende” war in diesem Fall – nachdem heutiges Geburtstagskind Tim sich bitter böse aus dem Staub gemacht hat – am Ende Janine… äh Jeannette :) .

Hoffen wir, dass wir in den kommenden spielfreien Wochen die nötige Nervenstärke entwickeln, um den letzten vier Saisonspielen doch noch irgendwie die Kurve zu bekommen. Ich habe jedenfalls schon für die kommenden Samstage Trainingscamps im Kopf – mal sehen, ob wir das alte Schiff nicht doch noch auf Vordermann kriegen!

Gladbach hat übrigens schon wieder gewonnen und das gegen die schier unbezwingbaren Angstgegner aus Stuttgart – hätten die Schwaben von Saisonbeginn an so gespielt, wäre mein Tipp beim Tippspiel, dass Labbadia der erste gegangene Trainer der Saison sein wird, vielleicht hingehauen. 3-0, das war schon wieder ein Ausrufezeichen. Ich sage ja, wir brauchen auch den Favre, aber keiner will auf mich hören ;) . Vom Spiel hab ich zwar nur knapp zehn Minuten geguckt, aber dafür immerhin zwei der drei Tore gesehen. Stellt euch mal vor, wie das Ding ausgegangen wäre, wenn ich mich zeitgleich nicht dem Badmintonspielen gewidmet hätte! Unvorstellbar!

Ach, kurzer Nachtrag, sollte jemand zufällig das Lied “Pull you through” von “John Taylor” haben, bitte melden. Hätte auch nichts gegen das ganze Album “Bring the Stars alive” einzuwenden. ;)

Klausur digitale Photogrammetrie

23. Januar 2012, 5:24 pm

Na, das nenn ich doch mal ein lustiges Klausürchen. Nicht nur, dass ich doch das fast schier Unmögliche toppen konnte, auch das Tempo heute war beeindruckend. Was ich damit meine? Nun, ganz einfach, im vorletzten Semester hab ich die Klausur in geodätische Methoden geschrieben. Damals waren wir zu dritt im Kurs und einer der anderen beiden fehlte beim Klausurtermin. Daher war die bis heutige Spitzenleistung eine Klausur mit lediglich zwei Leuten zu schreiben. Heute war ich ganz auf mich allein gestellt. Im Kurs digitale Photogrammetrie sitzen zwar ganze acht Studenten, doch fünf davon müssen lediglich einen Bericht/ein Projekt anfertigen und brauchten daher die Klausur nicht mitzuschreiben. Der relativ frühe Termin (die meisten anderen Klausuren werden in zwei bis drei Wochen geschrieben) hat zudem dafür gesorgt, dass die anderen beiden potenziellen Schreiberlinge die Anmeldungsfrist verpasst haben und sich dann entschlossen haben, später zu schreiben. Folglich blieb ich als einziger übrig und musste mich einer eins zu eins Betreuung stellen.

Da unser Dozent jedoch absolut human ist und ich folglich sogar eine relativ relevante Probeklausur zum Lernen hatte, war das kein Problem für mich. Um kurz nach Vier ging’s los. Nun ist es 17:07 Uhr und ich bin schon ein Paar Minuten zu hause. Bei einer Bearbeitungszeit von 90 Minuten ist das eigentlich schon eine recht stolze Leistung. Im Detail sah es auch tatsächlich so aus, dass ich die Aufgabe überflogen habe und den Stift einfach mal über das Papier kugeln ließ (Kugelschreiber kugeln doch, oder?). Eine kurze Verschnaufpause von ca. vier Sekunden ließ ich mir bei einer der Aufgaben, ansonsten jedoch hab ich ohne Blick zurück nach dem Setzen des Punktes bei der letzten Aufgabe, die Blätter umgedreht und dem Dozenten überreicht. Dieser wusste zwar noch nicht, was er mit dem angefangenem Nachmittag nun anfangen sollte, aber ihm wird schon was einfallen.

Für die Neugierigen unter euch nun noch ein kurzer Kommentar dazu, was digitale Photogrammetrie eigentlich ist. Digitale Photogrammetrie beschäftigt sich – Moment, ich muss mal grad die Fenster schließen, sonst wird’s kühl – mit der Rekonstruktion der physikalischen Größe und Lage von Objekten in Bilderpaaren/-reihen. Bei beispielsweise Luftbildaufnahmen einer Fläche von zwei verschiedenen Punkten liegen beide Bilder in der sogenannten Zentralperspektive vor, d.h. alle Bildstrahlen gehen durch einen Punkt (das Objektiv der Kamera). Dadurch entstehen Verzerrungen, die durch Unterschiede in der Geländehöhe noch verstärkt werden. Mit Methoden der digitalen Photogrammetrie versucht man nun durch Herstellung der sogenannten inneren Orientierung (der Geometrie in der Kamera) und der äußeren Orientierung (der Lage im Raum der Kamera zu den Aufnahmezeitpunkten) eine Transformation der Bildkoordinaten in ein Kartenkoordinatensystem (inklusive Geländehöhe) herzustellen. Durch diese Transformation ist es dann auch möglich sogenannte Orthofotos herzustellen, die alle Objekte in ihrer wahren Ausdehnung darstellen. Des Weiteren können beispielsweise topographische Karten, Höhenlinien oder 3D-Modelle erstellt werden.

Nun aber genug gelernt für heute. Das Ergebnis dürfte ich spätestens nächsten Montag erfahren. Mal schauen, wie zufrieden der Prof mit meinen Antworten ist. Jetzt muss ich mich einmal mehr einem abscheulichem Übungsblatt widmen, dass ich ganz gerne Morgen abgegeben würde. Eines der letzten für dieses Semester.

Rückrundenauftakt dem Wetter angeglichen

21. Januar 2012, 10:33 pm

Jaja, das war schon was. Das Wetter kündigte Böses an. Regen, Regen, Regen. Übrigens regnet es grad immer noch. Aber nun zum Thema: Nachdem wir in den letzten Spielen des vergangenen Kalenderjahres noch voller Motivation für die Rückrunde waren, gab es am Monatsbeginn bereits den ersten Rückschlag. Da sich Alexandra und Andi für die Rückrunde in ihrer neuen Heimat einen Verein gesucht hatten, rückten Nanu und Jojo standardmäßig in die erste Mannschaft auf. Am ersten Spieltag gegen Bad Marienberg mussten wir zusätzlich noch Miss Wenn-Ich-Schon-Mal-In-Spanien-Bin-Dann-Kann-Ich-Auch-Etwas-Länger-Hier-Bleiben Beate und Mister Ich-Sage-Mal-Fürs-Spiel-Gegen-Den-Einfachsten-Gegner-Kurz-Vorher-Ab Boris verzichten. ;) Daher kamen Alex, Lisa und Tim mit. Letzter sollte jedoch nur abhängig von der gegnerischen Aufstellung ins Team rücken. Die Spiele fingen mit Siegen von Alex und mir und Lisa und Nanu ganz gut an, so dass wir nach den Doppeln mit 2:1 führten. Mein Einzel konnte ich ebenfalls recht souverän gewinnen, auch weil den Gegner eine miese Blase plagte. Der vierte Punkt aber wurde uns zum Verhängnis und weder Joachim, Jojo und Nanu in den Einzeln, noch Lisa und Alex mit Mixed konnten das Unentschieden für uns sichern. Am Ende stand also eine durchaus bittere 3:5 Niederlage. Wenigstens das Essen in Bad Marienberg nach dem Spiel hat gemundet. :P

Am heutigen Tag gegen Heimbach-Weis sollte alles besser werden. Boris und Beate waren wieder da und wir entschieden uns für eine leicht andere Taktik. Im ersten Doppel spielten wieder Alex und ich, verloren das Ding aber unter dubiosen Umständen zweimal in der Verlängerung. Besonders bitter dabei war ein Aufschlagass von mir zum Satzgewinn und folglich dem dritten Satz, das der Gegner jedoch im Aus gesehen hat. Wiederholung, eins, zwei blöde Fehler, vorbei, aus die Maus, Deckel drauf. Die Idee das zweite Doppel mit Boris zu stärken, erwies sich leider als Griff in die Hygieneanlage. Glatt in zwei Sätzen musste er sich zusammen mit Jojo den Gegnern beugen. Die Mädels machten es besser und so war zumindest weiter die vage Hoffnung auf einen Punkt gegeben. Nachdem ich im ersten Satz dann geschickt beim Stand von 10:8 eine Auszeit nahm und das Spiel erst bei 10:18 wieder aufnahm, musste ich zwangsläufig über drei Sätze gehen, schließlich wollte ich ja gewinnen. ;) Dank erheblicher Leistungssteigerung und kleineren taktischen Adjustierungen gelang mir das auch. Zeitgleich verloren nur dummerweise, leider, unglücklich und völlig ungerechterweise sowohl Jojo als auch Boris ihre Einzel. Insbesondere im zweiten Fall eine bittere Sache, da die Niederlage wohl hauptsächlich an konditionellen Eigenschaften oder besser gesagt, deren Nichtvorhandensein, festzumachen war. Somit war dann schon nur noch rein rechnerisch ein Unentschieden drin. Beate, die sich bereits im Hinspiel ein packendes Spiel mit der heutigen Gegnerin geliefert hatte, musste sich heute – sicher völlig abgelenkt von ihrer Verabredung am Abend – in zwei Sätzen geschlagen geben, auch wenn beide durchaus auch hätten andersherum ausgehen können. Im Mixed gelang dann auch Alex und Nanu nichts Weltbewegendes mehr. Zwar war der Start in zweiten Satz relativ vielversprechend, doch am Ende konnten sich die Gegner doch wieder absetzen und somit ging das zweite Spiel der Rückrunde mit 2:6 an Heimbach-Weis, die damit wohl sicher die Klasse halten werden. Wie gesagt, der Himmel hat’s gewusst. So’n Shiet!

Für uns auf der anderen Seite wird es jetzt schon ein bisschen eng, die Luft wird dünner, der Drops ist angelutscht. Doch wir haben ja noch ein paar Heimspiele vor der Brust und dann läuft es ja ohne Zweifel einen Tick besser. Am kommenden Samstag geht es weiter. Wir brauchen Aufbruchstimmung, Positivismus, Anfeuerung und den Lucy Favre von den Gladbachern – der hat’s den Bayern gestern mal wieder gezeigt – und ich hatte es angekündigt! Ein Traum! ;)

Déjà vu – Neuauflage des Spaß-Hallenfussballturniers der Mathefachschaft

20. Januar 2012, 1:15 pm

Fast auf den Tag ein Jahr nach dem Überraschungscoup beim Spaß-Hallenfussballturnier der Mathefachschaft, traf man sich am gestrigen Donnerstag wieder, um die Pille in die Maschen zu bugsieren. Anders als noch bei der letzten Auflage wurde dieses Mal komplett im Ligasystem gespielt. Jedes der neun Teams durfte sich also mit jedem anderen messen.
Mein Team war fast das selbe wie im letzten Jahr: Mit Angie, Martin, Julian, Benny und mir blieb der Stamm erhalten und wurde von Maike, Dominik und Felix ergänzt. Das Turnier begann für uns wie im letzten Jahr – déjà vu Teil 1 – mit dem Spiel gegen die Fachschaft. Es sollte das einzige Spiel bleiben, in dem auf beiden Seiten Mädels mit im Team waren. Durch einen guten Start und konzentriertes Spiel konnten wir gleich zu Beginn ein Ausrufezeichen setzen und waren nach dem 4:1 Tabellenführer. Leider jedoch sollte es für uns der höchste Sieg des Abends bleiben. Es folgten drei weitere Spiele, die allesamt durch Details entschieden wurden, wie es so schön heißt. Dank Knipser Julian und Abwehrreck Martin waren wir stets das Team, das als Sieger den Platz verließ und so hatten wir bereits 12 Punkte auf dem Konto und eine sehr gute Ausgangsposition.
Dass wir nach diesem vierten Spiel allerdings ohne Pause auf den späteren ungeschlagenen Turniersieger treffen sollten, erwies sich nicht gerade als Pluspunkt. Zunächst war das Spiel noch ausgeglichen, doch spätestens mit dem zweiten Gegentreffer ging bei uns die Ordnung ein wenig verloren und es folgte eine 1:6 Klatsche. Nun hieß es, sich wieder neu zu sammeln, um die restlichen drei Spiele möglichst erfolgreich zu gestalten. Gegen die Dozenten gelang uns das auch sehr gut und wir fanden Dank gutem Teamwork in unsere Erfolgsspur zurück. Das änderte sich auch in Spiel sieben nicht, bei dem Julian das Tor des Turniers schoss, aus der defensiv rechten Ecke einmal quer über den Platz in den linken Winkel. Da die Regeln jedoch so ausgelegt waren, dass Tore aus dieser Entfernung nicht zählen, entschied ein Grätschtor von mir das Spiel mit 4:3.
Vor dem letzten Spiel stand auf Grund der Ergebnisse der anderen Teams fest, dass wir das Turnier als – déjà vu Teil 2 – zweiter beenden würden. Was folgte war ein völlig chaotisches Spiel, das im Grunde ziemlich ausgeglichen war, in dem wir aber nach gefühlt zwei Minuten mit 0:4 zurücklagen. Erinnerungen an das letztjährige Finale wurden wach – déjà vu Teil 3. Doch dieses Mal konnten wir das Spiel nicht mehr wirklich ausgeglichen gestalten. Trotz zahlreicher Chancen auf unserer Seite, wollte der Ball einfach nicht rein, während auf der anderen Seite geblockte Bälle gerne mal direkt vor die Schlappen des Gegners fielen. Quasi mit dem Schlusspfiff erzielte Julian dann nach einem wie ich finde klasse Doppelpass mit mir den 2:6 Endstand.
Damit hatten wir unterm Strich unsere Glanzleistung aus dem Vorjahr bestätigt und dass obwohl uns mit Dominik nach gut der Hälfte der Spiele verletzungsbedingt ein Spieler weniger zur Verfügung stand. Um das Déjà vu-Ereignis zu komplettieren: Heute tun mir meine Knochen ähnlich weh wie letztes Jahr – geil war’s trotzdem wieder! :D

Weihnachts-/Neujahrsplanung

5. Dezember 2011, 1:08 am

Für alle Planungsfanatiker, die diesen Blog hin und wieder mal lesen ein kurzes Update bezüglich des diesjährigen Weihnachtsfestes. Nach dem Angebotsreview der Deutschen Bahn hab ich mich entschlossen fristgerecht am Abend des Heiligen Abend in Bremerhaven aufzuschlagen. Nach einem hoffentlich leckeren Gaumenschmaus wird dann am ersten bzw. zweiten Weihnachtstag die Familie im Vordergrund stehen. Ob ich zum dann schon fast rituellen Weihnachtszauber in der Stadthalle schlendere, steht derzeit noch in den Sternen. Einen zaghaften Versuch eine der begehrten und daher längst ausverkauften Karten zu ergattern, hatte ich unternommen, scheiterte aber ohne große Reue. Man wird sehen, ob sich noch irgendwo eine Tür öffnet. Derzeit hält sich mein Verlangen bezüglich der Festlichkeit allerdings eh in höchst überschaubaren Grenzen. Ich weiche ab. Zurück zur Planung. Da zwischen Weihnachten und Neujahr möglicherweise noch ein Geburtstag auf dem Schirm steht und mir noch keine näheren Informationen bezüglich des Hallennutzungsplans vorliegen, ist dieser Zeitrahmen noch durchaus flexibel gestaltbar. Nicht gänzlich anders verhält es sich mit dem hochgelobten Jahrestag des Silvesters. Selbiger Katerliebhaber wurde im letzten Jahr von mir bekanntlich relativ bescheiden mit 1:48:01 abgehandelt, was ich alles in allem vom Vorgehen gar nicht mal so verkehrt fand. Gewiss wird es aber auch dieses Jahr genug Leute geben, die lieber ordentlich die Korken knallen lassen wollen. Da ich bis zur Buchung meiner Fahrkarten heute noch nicht einmal genau wusste, wo ich in den Weihnachtsferien rumturne, werd ich mich jetzt erst so langsam mal umhören, ob ich Gleichgesinnte für ein etwas anderes Silvester auftreiben kann. Zurück geht es dann in aller Ruhe am 06.01., da bereits 08. das erste wichtige Punktspiel der Rückrunde ansteht, für das ich mich natürlich im Trainingscamp Bremerhaven gerne vorbereiten würde. Nebenbei geht dann auch am 9. also einen Tag später die Uni wieder los, aber wer hält das schon für wichtig.

Flashback beendet

17. Oktober 2011, 8:15 pm

Im Rahmen meines Mathematikstudiums an der Universität Trier hatte ich das Vergnügen ein achtwöchiges Pflichtpraktikum absolvieren zu dürfen. Da eines meiner Ziele während des Studiums ist/war mir Forschung näher anzuschauen, entschied ich mich für ein Praktikum in einem Forschungszentrum. Durch frühere Kontakte in meiner Heimat Bremerhaven konnte ich recht schnell einen Praktikumsplatz im Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Meeres- und Polarforschung ergattern. Nach der Klausurenphase Ende Juli ging es dann Anfang August gemeinsam mit meinen Eltern in Richtung Norden. Was folgte waren acht Wochen Flashback.
Zunächst aber ein Paar Worte zum Praktikum, da ich danach in den vergangenen Tagen immer zuerst gefragt wurde. Im Frühjahr des Jahres 2010 wurde eine Kampagne in der Antarktis durchgeführt, bei der zahlreiche Messdaten erfasst wurden. Unter anderem gab es diverse Flüge mit dem POLAR-5, einem der Flugzeuge des AWI, bei denen zum Beispiel Energierückstrahlwerte und Luftbilder in Nadir, also senkrecht zum Flugzeug, aufgenommen wurden. Interessanterweise hat sich die Abteilung, in der ich das Praktikum absolviert habe und die zu den Klimatologen zählt, erst im Nachhinein entschlossen, sich Gedanken zu machen, was man denn mit den gesammelten Daten so alles machen könnte. So läuft es angeblich in der Forschung des Öfteren, na Prost. Jedenfalls kam man dabei auf die Idee, die Rückstrahlung mit der Oberflächenbedeckung in Verbindung zu setzen. Was jedoch dazu fehlte, waren die Bedeckungsgrade zu den jeweiligen Messwerten. Diese sollten nun durch die Arbeit eines weiteren Praktikanten, eines sympathischen Schweizers, und mir mit Hilfe einer Bildklassifizierung ermittelt werden. Bildklassifizierung bedeutete in diesem Zusammenhang, herauszufinden, welche Flächen auf den Luftbildern Wasser, Eis oder Schnee waren. Das klingt zwar im ersten Moment nicht besonders schwierig, wird aber kompliziert, wenn man bedenkt, dass es sich um knapp 6000 Bilder handelte, die man sich ja nicht alle einzeln anschauen wollte. Daher lag die Hauptaufgabe darin, einen Algorithmus zu schreiben, der diese Klassifizierung übernimmt. Dies jedoch war gar nicht so einfach, da verschiedenste Dinge, wie Helligkeitsunterschiede, Schattenwürfe und weitere Einzelheiten erst korrigiert werden mussten. Darüber hinaus waren sich einige Bilder statistisch so ähnlich und zeigten dennoch gänzlich unterschiedliche Dinge, so dass gar eine gewisse Vorauswahl von Nöten wurde. Wie dem auch sei, nach etwas mehr als der Hälfte der Zeit stand der Algorithmus soweit und es ging nur noch um Kleinigkeiten und Dokumentation. Dies sorgte exponentiell für mehr und mehr Langeweile. Um es noch einmal kurz zusammenzufassen. Das Praktikum fing ganz okay an, steigerte sich in der Experimentierphase, da dort viele Freiheiten ausgeschöpft werden konnten und stürzte schließlich brutal ab. Ach ja, ein Wort noch zur nicht vorhandenen Betreuung. Nach ca. zwei(!) Wochen kam es sowohl mir als auch meinem Schweizer Kollegen so vor, als ob wir die beiden mit der größten Kompetenz für Bildklassifikation wären, was vielleicht nicht so ungewöhnlich, aber doch irgendwie merkwürdig ist.
Nun aber doch zurück zum Thema Flashback. Das letzte Mal, das ich mehr als drei Wochen in der Heimat verbracht habe, war im Jahr meines Zivildienstes, also 2006. Knapp fünf Jahre sind seither ins Land gezogen. Ein komplettes und ein halbes Studium in fremden Städten, eine Vielzahl fremder Menschen, zahlreiche unterschiedliche und inzwischen auch eine eigene Wohnung und nicht zuletzt ein ganzer Haufen an Lebenserfahrungen liegen in diesem Zeitraum. Habe ich mich in dieser Zeit verändert? Ich bin mir sicher. Hat sich die Welt auch ansonsten weitergedreht? Das würde ich ebenso bejahen. Doch wie sagten es mir meine Eltern damals schon so schön: Du wirst immer unser ‘Kleiner’ bleiben – manche Dinge ändern sich nie.
Meine Zeit in Bremerhaven hat diese Aussage ohne jeden Zweifel bestätigt. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, wenn man das letzte Jahr komplett alleine in einer 2-Zimmer-Wohnung gelebt hat und sich plötzlich wieder im Hause der Eltern wiederfindet. Man hat wieder ‘sein Zimmer’ und wird lecker bekocht. Um Wäsche muss man sich nicht kümmern und selbst sauber machen betrifft einen fast gar nicht. Wenn man Probleme mit dem Fahrrad oder sonstigen Dingen hat, springt sofort ein Elternteil auf, um einem zu helfen. Man freut sich darüber und nimmt es dankend an, ohne zu merken, dass man es gegen Selbständigkeit und Freiheit eintauscht. Zum Sport nimmt einen der Dad mit, man kann sich mal den Hallenschlüssel oder das Auto leihen oder verbringt ein Paar Stunden mit den Eltern beim Kartenspielen. Das Sohn-Dasein ist zurück und mit ihm auch die Abhängigkeit. In diesen Worten, da sie meine Eltern mit Sicherheit lesen werden, liegt keine Kritik, nur Erkenntnis. Auch wenn man selbst inzwischen ein ganz anderer Mensch geworden ist, da ist eine Kraft, die einen zurückzieht. Alte, längst vergessene Gewohnheiten kehren zurück – zum Beispiel die alten Fragen der Eltern, ob es was Neues gibt und das relative Schweigen oder obligatorische ‘Noe’ als Antwort. Haben die Eltern diese oberflächliche Art verdient, die man als pubertärer Schüler an den Tag gelegt hat? Nein, haben sie nicht und Absicht ist das auch nicht, nur eben Gewohnheit.
Weitere Beispiele für längst vergessene Gewohnheiten gefällig? Sehen wir doch mal ausserhalb des Elternhauses nach. Auch hier bleibt vieles beim Alten. Man beschwert sich bei seinen Freunden immer noch darüber, man könne in Bremerhaven nichts machen und kommt aus diesem Trott auch kaum raus – eine Ausrede um etwas nicht zu tun ist stets schnell gefunden. Leute, die ähnlich sportverrückt sind wie man selbst, findet man in der Kontaktliste im Handy nicht, ist sich aber auch zu schade um einfach mal zum nächsten Sportplatz zu laufen und dort zu suchen. So ist es eigentlich auch nicht merkwürdig, dass ich in den ersten beiden Tagen, in denen ich wieder in Trier war, mehr Beachvolleyball gespielt habe als in den acht Wochen zuvor. Zugegeben, das Wetter in Bremerhaven war nicht immer Sonne pur, doch bedenkt man, dass ich bestimmt knapp 750km mit dem Fahrrad durch die Gegend gefahren bin und vielleicht auf 30km davon leichten Regen hatte, dann kann das alles nicht so schlimm gewesen sein.
Die Dinge, die man mit den Kumpels von früher unternimmt, sind ähnlich zu denen, die man tatsächlich früher gemacht hat. Man geht in die Nachtschicht, den Snookersaloon oder zu Ali, man zockt stundenlang den 07er-Fussballmanager oder setzt sich mit ein Paar Jungs bei jemandem gemütlich hin und trinkt. Interessanterweise muss man sich andere Dinge einfallen lassen, wenn man was mit Leuten unternimmt, die sonst nicht dabei waren. Da landet man dann plötzlich mal im Lloyds, am Deich, beim Grillen oder beim Wrappen. Aber zurück zu den Gewohnheiten. Ich war früher nie derjenige, der unbedingt im Mittelpunkt stehen musste und viele hätten mich wohl damals als unauffällig beschrieben. Und so verwundert es mich nicht, dass ich oft schweigend dabei saß und mir die Neuigkeiten über andere anhörte. In den vergangenen Wochen in Bremerhaven war es nichts anderes. Oftmals hörte ich nur zu ohne selbst groß Dinge von mir zu geben. Ob das nun nur daran lag, dass das Gewohnheit war, bezweifle ich dabei jedoch gewissermaßen. Früher, und auch daran hat sich nichts geänderte, wurde in meinem Freundeskreis oft genatzt. Man hat durch Sprüche oder kleine Aktionen versucht, das Ego von anderen anzustacheln, war richtig lustig damals. Doch was macht man, wenn man sein Ego mehr und mehr hinter sich lässt und mit all diesem Genatze nichts mehr anzufangen weiß? Was macht man, wenn die Gesprächsthemen, um die es zum Teil geht, einen dazu veranlassen zu denken, ‘Wow, der Schmetterling dort ist echt schön’ oder ‘Was mache ich eigentlich hier’? Was macht man, wenn man dieses Gefühl bekommt, dass man zur falschen Zeit am falschen Ort ist? Wenn man Freitag um Freitag mitbekommt, wie sich die Freunde einen hinter die Binde kippen und am nächsten Tag versuchen die Puzzlestücke zusammenzusetzen, während man sich selbst in acht Wochen gerade mal einen Abend gönnt, sich ein wenig anzuheitern und sich hinterher fragt, wieso überhaupt?
Bei all den Gewohnheiten scheint es doch irgendwo eine Grenze zu geben. Irgendwann scheinen die äußeren Umstände doch nicht auszureichen, um einen komplett zurück in die Vergangenheit zu ziehen. Irgendein Punkt gibt es, an dem man sich selbst sagt, es ist alles gleich, und doch ist alles anders.

John Grisham – The Testament

22. Juli 2011, 9:34 pm

So, dann möchte ich heute auch erstmal zum Abschluss meiner Vortragsreihe über die gelesenen Bücher kommen. Dafür widme ich diesen heutigen Artikel dem Herren des Gerichts und Schöpfer der Anwälte John Grisham. Ich weiß gar nicht, ob die Werke mit Gerichtsbezug, die Grisham bereits veröffentlicht hat, überhaupt gezählt werden können. Nun heute geht’s jedenfalls um das Werk The Testament, das 1999 den Weg in zahlreiche Buchhandlungen fand.
Ein steinreicher Wirtschaftsexperte, der sechs Kinder – verteilt auf drei Ehefrauen – hat, schreibt sein Testament und springt daraufhin aus dem Fenster. Sein Erbe geht jedoch nicht an Ex-Frauen oder Kinder (lediglich zur Schuldenabbezahlung), sondern an ein uneheliches Kind, das zufällig als Missionarin irgendwo in der Pampa in Brasilien arbeitet und nicht wirklich Kontakt zur Aussenwelt hat. Der frisch aus dem Entzug kommende Nate soll sich wegen der gerichtlichen Angelegenheit auf den Weg zu ihr machen und entgeht dabei mehrfach nur knapp dem Tod. Als er ihr vom Geld berichtet, will sie jedoch nichts damit zu tun haben und die große Frage ist, wie wird der Reichtum aufgeteilt.

Zentral in diesem Roman Grishams finde ich die Charaktere. Durch die Bank alle Kinder, deren Mütter und die Anwälte des gesamten Packs sind so dermaßen verdorben, egoistisch und geldgierig, dass es schon fast weh tut. Dazu kommt der Vater, der zwar ein Wirtschaftsgenie gewesen zu sein scheint, es aber ansonsten sozial wohl alles andere als in den Genen hatte. Dann kommt Snead hinzu, der langjährige Butler des Verstorbenen, der um an Geld zukommen sogar für die Anwälte der Kinder stundenlange Proben mit Videoaufzeichnungen macht, damit seine erlogenen Aussagen vor Gericht glaubwürdig erscheinen. Wen haben wir noch? Nate natürlich, der jahrelang als Anwalt tätig war, seine Kinder auch nicht zu erziehen bzw. seine Frauen auch nicht zu halten wusste und schließlich zum vierten Mal im Entzug gelandet ist. Es wirkt dann schon fast schockierend, dass er im Laufe des Buches und durch die Begegnung mit der Missionarin den Weg zu Gott findet und clean wird. Bleibt schließlich die Missionarin selbst, die im extremen Gegensatz zu (fast) allen Charakteren im Buch mit Geld überhaupt nichts anfangen kann, ihr gesamtes Vorleben aufgegeben hat und mit Indianern in einem Minidorf lebt, wo man von Strom nicht zu träumen wagt.

Solch ein Dasein wollen sich wahrscheinlich die wenigsten so wirklich vorstellen, ganz so abwegig finde ich den Gedanken an ein Leben ohne jeglichen Zeitdruck aber gar nicht. Ich komme auf den Zeitdruck zu sprechen, weil dieser im Buch selbst auch des Öfteren genannt wird. Die “zivilisierten” Menschen heutzutage hetzen sich von einem Termin zum anderen. Das geht als junger Bursche los, wo man täglich dem Wahn der Schule ausgesetzt ist, geht in den Ferien weiter, wo man irgendwelche Praktika machen soll, damit man Referenzen vorweisen kann, um später einen Job zu haben, in dem man 60 Stunden die Woche arbeitet und von einem Projektabgabetermin zum anderen hetzt. Und wofür das alles? Damit man Geld verdient, das man nicht ausgeben kann oder aber Dinge kauft, die man gar nicht braucht. Nun könnte natürlich jemand den Einwand bringen, aber für die Kinder muss man doch gut verdienen. Natürlich muss man das, denn wer möchte denn verantworten, seine Kinder diese ach so schöne Welt des Stresses und der Luxusgüter vorzuenthalten… Zu ironisch? Mir egal. :)

Auch wenn mir insgesamt die Charaktere etwas zu creepy und die Story zum Teil etwas zu far fetched waren, wollte ich doch ständig wissen, wie es nun weitergeht und wie es gelingt, den Schnöselkindern tatsächlich möglichst wenig Geld zu hinterlassen. ;) Also durchaus lesenswert an einsamen Herbsttagen, auch wenn die gerne noch etwas auf sich warten lassen dürfen.

ISBN: 0-440-23474-3

Michael Crichton – Die Gedanken des Bösen

20. Juli 2011, 1:46 pm

Bei der Verlegung eines Telefonkabels durch den Südpazifik wird ein mysteriöses Objekt in der Tiefe des Ozeans entdeckt. Die Navy schickt daraufhin eine Gruppe von Wissenschaftlern in ein für die Untersuchung errichtetes Unterwasserhabitat. Unter den Wissenschaftlern befindet sich auch der Psychologe Norman Johnson, der Jahre zuvor für die Regierung einen Plan entwarf, wie beim Kontakt mit ausserirdischen Lebensformen zu verfahren sei.
Das Objekt entpuppt sich zwar tatsächlich als Raumschiff, jedoch als eines, das von Menschenhand gebaut wurde und aus der Zukunft stammt. Mit an Bord ist eine seltsame Kugel, die das Ausmaß eines zweistöckigen Hauses hat und eindeutig nicht menschlichen Ursprungs ist. Dem Mathematiker Harry gelingt es die Kugel zu öffnen und in sie einzutreten. Danach wird das Habitat plötzlich von einem riesigen Kalmar angegriffen und auch sonst geschehen unheimliche Dinge. Harry selbst hat wenig Erinnerungen an seinen Ausflug, aber die Lage in der Tiefsee spitzt sich weiter zu. Norman versucht aus all den Geschehnissen einen Sinn zu extrahieren, doch die Zeit wird knapp, denn die Angriffe werden heftiger, Menschen sterben und an die Oberfläche können die Überlebenden erst dann zurückkehren, wenn der Sturm, der dort tobt, abgeebbt ist.

Für meinen Geschmack ist die Fiktion im Buch etwas viel. Dies ist allerdings das einzige wirkliche Manko. Ansonsten besticht Crichton durch detailreiche Erläuterungen zu relevanten Themen wie etwa schwarzen Löchern, dazugehörigen physikalischen Gesetzmäßigkeiten oder auch psychologischen Hintergründen. Die Story ist verwinkelt und in der Lage den Leser immer wieder zu überraschen. Es ist eine Mischung aus Krimi, Science-Fiktion und Aktion, die mit interessanten Charakteren gefüllt ist.

Der Titel hat mehr mit dem Buch zu tun als lange klar ist. Das Buch widmet sich nämlich in gewisser Weise der These, dass die Menschen sich von Tieren dadurch unterscheiden, dass sie Gedanken in Realität umsetzen können. Das, was wir uns vorstellen können, das können wir auch irgendwann umsetzen. Wie sonst wäre es dem Mensch heutzutage möglich zu fliegen? Mit den Gedanken des Bösen widmet sich Crichton allerdings auch der Kehrseite der Medaille und weist subtil auf Gefahren negativen Denkens hin. Das wiederum ist ein Thema für sich.
In den letzten Jahren habe ich ja, wie einige wissen dürften, einiges an philosophischen oder spirituellen Werken gesehen oder gelesen. Einer der zentralen Punkte in diesen Werken ist das positive Denken. Denke an Gutes und es passiert Gutes. Der Umkehrschluss lautet, umgib dich mit schlechten Gedanken und dir passieren auch schlechte Dinge. Es handelt sich also quasi um eine Art Anziehungsprinzip. Es gibt mit Sicherheit zahlreiche Studien darüber, dass Leute, die Angst haben beklaut zu werden, viel öfter beklaut werden, als Leute, die sich nicht darum scheren. Genauso finde ich es derzeit offensichtlich, dass Studenten viel eher durch Prüfungen fallen, wenn sie Angst haben, dass sie durchfallen könnten. Sie umgeben sich mit negativen Gedanken und ziehen dadurch negative Aspekte an. Sie machen im Prinzip das, was Crichton in seinem Buch beschreibt. Sie erzeugen durch ihre Gedanken die Wirklichkeit.

ISBN: 3-499-23470-X

Michael Wirsching – Jenseits vom Schulenstreit

19. Juli 2011, 12:39 pm

Ich als Fan von Serien wie The Mentalist oder Psych bin ja ein begeisterter Hobbypsychologe. Für mehr reicht es wohl nicht, denn auch wenn ich hin und wieder schon mal einen Gedanken daran verschwendet habe, Psychologie zu studieren, muss ja irgendwann auch mal Schluss sein mit Unibesuchen. Folglich muss ich mich, was die persönliche Fortbildung betrifft, auf Bücher stürzen. Ein Autor, der mir dabei behilflich sein sollte, trägt den Namen Michael Wirsching und ist Psychoanalytiker und Familientherapeut. 1998 veröffentlichte er das Werk Jenseits vom Schulenstreit – Entwicklungen heutiger Psychotherapie.
Da meine Bücherauswahl ansonsten eher distanziert zu Fachbüchern ist, fiel mir das Lesen dieses Buches durchaus schwer. Zwar handelt es sich nicht um ein reines Fachbuch, aber die Ansätze davon sind nicht zu leugnen. Das Buch wirbt zwar damit, auch für Laien des Fachs keine große Hürde darzustellen, doch sind die zahlreichen Fachbegriffe wie “biologisch-psychatrische Verwahrkonzepte”, “differentielle Indikation”, “Übertragungs-Gegenübertragungsphänomene”, “Fokaltherapie” oder auch “infantile Fixierungen” Indikatoren dafür, dass eine Vorabbeschäftigung mit der Thematik nicht schaden könnte.
Neben Rückblicken auf die verschiedenen Arten der Psychotherapie oder verwandter Methodiken steht, wie der Titel bereits andeutet, im Mittelpunkt, einen Konsens der vielen Methoden zu finden, der die bestmögliche Behandlung für den einzelnen Patienten verspricht. Im Buch steht die Behauptung, dass viele Psychotherapeuten nur im Gebiet ihrer Ausbildung tätig sind und sich fortbilden. Das heißt, Professoren, die zum Beispiel in Verhaltenstherapie geschult wurden, versuchen diese auf alle Patienten anzuwenden, wenngleich andere Methoden vielversprechender wären. Auch der allgemeine Informationsaustausch zwischen Therapeuten der verschiedenen Sparten sei spärlich und so leide als Folge dessen vor allem der Ruf der Psychotherapie in der Bevölkerung.
Wirsching versucht in seinem Werk Lösungen zu erarbeiten, wie man eine bessere Zusammenarbeit – nicht zuletzt über die gezielte Schulung der Nachwuchstherapeuten – erzielen kann und somit die Behandlungschancen für jeden einzelnen Patienten erhöht. Seit der Veröffentlichung des Buches sind ja nun schon einige Jahre ins Land gezogen und wie es genau da draussen in der Welt der Psychotherapie aussieht, entzieht sich meiner Kenntnis, aber: Sollten die Aussagen des Buches tatsächlich gestimmt haben oder immer noch stimmen, so wäre ich arg überrascht. Denn die Verbesserungsvorschläge sind allesamt so einleuchtend, dass man sich nur schwerlich vorstellen kann, dass diese grundsätzlich nicht schon genutzt werden. Es kam mir beim Lesen in etwa so vor, als wenn man nach einer Lösung sucht, warum der Drucker kein Mucks von sich gibt. Das erste wonach man schauen sollte, ist ob überhaupt Strom fließt. Bekanntlich gibt es aber genug Help Desks all over the world, die sich trotz dieser offensichtlichen Fehlerquelle stets mit rudimentären Lösungsvorschlägen wappnen müssen. Vielleicht trifft selbiges auch auf die Psychotherapie zu.

Weiterempfehlen würde ich das Buch nicht wirklich. Wen die Thematik interessiert, der kann gerne einen Blick hinein werfen, doch ohne einige Grundkenntnisse ist das Buch sehr trocken. Die Sprache versucht zwar dies immer wieder durch gewitzte Formulieren wett zu machen, doch so richtig authentisch liest sich das Werk nicht. Vielmehr wirkt es an der ein oder anderen Stelle gestellt. Ein weiteres Manko ist die schon angesprochene Aktualität. Grundsätzlich sollte man sich wohl an aktuellere Werke halten.

ISBN: 3-596-14010-2